Die Krupps – Too Much History Tour

Live in der Batschkapp, 10. Februar 2008

15.02.2008

Konzert-Review

Die Krupps geben sich geschichtsträchtig

27 Jahre wahre Arbeit, wahrer Lohn

Batschkapp, 10. Februar 2008

Die Krupps gelten als die Ikonen des Industrial, man könnte sogar sagen, Jürgen Engler hat das Genre erfunden. Als er zu Beginn der 80er auf Ralf Dörper traf, war das der Beginn einer neuen musikalischen Ära. Mit der „Stahlwerksinfonie” und dem Song „Wahre Arbeit, Wahrer Lohn” wurden die Krupps von Beginn an als neue, hohe Errungenschaft gefeiert. Eigentlich kam Engler aus der Düsseldorfer Punkbewegung und war mit den Toten Hosen (damals noch ZK) und anderen Gesellen der Szene zu Gange, doch die Verknüpfung von Gitarrenriffs und mechanischen Beats sollte das neue Steckenpferd des Ausnahmemusikers werden.

Trotz der lang anhaltenden Laufbahn der Band sind Veröffentlichungen eher mau. Gerade in den vergangenen 10 Jahren passierte diesbezüglich nicht viel. Bis auf das Projekt „DKay.Com” und einer Single in Kooperation mit Client zum 25-jährigen Bandjubiläum von Die Krupps, gab es nichts Neues für die Fans zu hören. Doch das kann sich nur Engler und seine Krupps erlauben, denn nur wer so innovativ war, darf solange zehren und sich auf seinen Lorbeeren ausruhen. Außer Kraftwerk gibt es wohl auch keine deutsche Band, die nach so vielen Jahren mit den gleichen Titeln auf Tour geht.

Doch bevor wir einen Blick auf das vergangene Konzert in der Frankfurter Batschkapp werfen, sollte die Vorband Erwähnung finden: Philiae. Eine recht frische, junge Band aus Hamburg gaben sich die Ehre…und verzauberten die gut gefüllte Batschkapp. Ihr Sound gleicht dem der Krupps, allerdings sind sie etwas roher und nicht so glatt wie ihre Wegbereiter. Der platinblonde Kopf der Band schrie was das Zeug hielt und verausgabte sich komplett. Eine wahnsinnig gute Show lieferte die Neuentdeckung ab und sorgte im Anschluss für lange Schlangen am Merchandise-Stand.

Als allerdings die Krupps persönlich die Bühne betraten, brach kollektive Euphorie aus. „Der alte Mann” Engler rockte noch wie vor 20 Jahren. Und die Songs knallten noch ebenso kraftvoll aus den Lautsprechern und rissen das Publikum auf die Tanzfläche wie in den goldenen Zeiten. Es ist keine Erfindung der Medien und Promoagenturen, die Krupps sind und bleiben eine Vorzeigeband und sind noch immer zu Recht hoch gelobt. Wenn der Frontmann wie ein wilder Derwisch auf seine selbstkonstruierte Stahlorgel einhämmert, stellen sich die Nackenhaare und Gänsehaut verbreitet sich über dem ganzen Körper.

Jedes Konzert ist eine Bereicherung für jeden Musikliebhaber und Englers Mannen zählen zu denen, die man mindestens einmal im Leben gesehen haben muss. Trotzdem würden wir uns alle über neues Material freuen, auch wenn die Messlatte von ihnen selbst sehr hoch angesetzt ist und die Erwartungshaltungen kaum zu erfüllen sind.

Die Krupps im Web:

www.diekrupps.de

www.myspace.com/diekrupps

Philiae im Web:

www.philiae.com

Discographie:

Stahlwerksinfonie (1981)

Volle Kraft Voraus (1982)

Metall Maschinen Musik 91-81 Past Forward (1991)

A Tribute To Metallica (1992)

I (1992)

II The Final Option (1993)

The Final Remixes (1994)

Odyssey Of The Mind (1995)

Paradise Now (1997)

Too much History Vol. 1&2 (2007)

Rock-Hobbit Dances Naked

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