Die “D-Sailors” gehören mit 15 Jahren auf dem Buckel zu den dienstältesten Melodycore Formationen aus Deutschland. In einem Genre, welches weitestgehend den amerikanischen Vertretern vorbehalten zu sein scheint, ist es ihnen gelungen eine eigene Note zu hinterlassen, welche die Band sogar mehrfach bis nach Brasilien trägt. Hier absolviert man mit der befreundeten, südamerikanischen Combo “Nitrominds” einige Liveshows. Ursprünglich unter dem Namen “The Drunken Sailors” gegründet, touren sie wiederholt durch ganz Deutschland, Österreich, die Schweiz oder die Niederlande und begleiten namhafte Genrevertreter wie “The Mighty Mighty Bosstones, “Strung Out oder “Terrorgruppe”. Private und menschliche Veränderungen sorgen dafür, dass im Jahr 2005 der Bandbetrieb zurückgefahren wird und die weitere Zukunft ungewiss bleibt.
“Between the devil and the deep blue sea” markiert die Rückkehr der leidenschaftlichen Melodic Punker. Auch wenn die Mitglieder durch berufliche Verpflichtungen und unterschiedliche Wohnorte voneinander getrennt schienen, hat man die Entfernung durch moderne Datenübertragungstechnik überbrückt und 12 neue Songs für das neue Album zusammengeschustert…..
Aloha und viele Grüße aus Frankfurt! Mein Name ist Jens und ich schreibe für ein Online Magazin namens acoustic shock. Im Zuge der CD-Kritik auf unserer Seite freuen wir uns auch einmal die Menschen “hinter den Kulissen” etwas näher durchleuchten zu können. Fangen wir am Besten mit der obligatorischen Selbstvorstellung/-darstellung an (musikalische und regionale Herkunft, kurzer Werdegang, Lieblingspizza solche Dinge eben *g*)Wir sind die D-Sailors und kommen aus Jülich, 65 Kilometer westlich von Köln, wo wir immer noch proben. Die Bandmitglieder wohnen aber mittlerweile über ganz Deutschland verstreut in Berlin, Aachen und Köln. Wir stehen zu viert auf der Bühne und sind mit 2 Gitarren (Uli B./Ingmar), Bass (Uli GePunkt) und Schlagzeug (Matthi) Standard-Rock besetzt, gelegentlich greift Uli B. mal zum Saxophon. Wir machen seit 14 Jahren zusammen Musik, veröffentlichen grade unser 4. Album, sind viel in Deutschland aber auch quer durch Europa getourt und waren bereits 3x in Brasilien. Über unsere letzte Tour im Sommer 2007 gibt’s eine sehr sehenswerte Doku, die bei sly-fi.com zu sehen ist. Da erfährt man ein bisschen was über uns und kann sich ein gutes Bild machen…
Direktlinks:
D-Sailors in Brazil: A Rockumentary Part 1
http://sly-fi.hobnox.com/index.html?episode=581
D-Sailors in Brazil: Catcher In The Rye Live
http://sly-fi.hobnox.com/index.html?episode=795
Nun erscheint Euer Album, abgesehen von wenigen Ausnahmen, lediglich auf digitalem Wege. Was hat sich im Vergleich zu den Vorgängern verändert und wie seht ihr der weiteren Entwicklung im Musikbusiness entgegen?
Die Kosten für die Veröffentlichung eines physischen Tonträgers stehen heutzutage in keinem Verhältnis mehr zu den Verkäufen, die man als Band auf einem semi-professionellen Level erzielen kann. Unsere Verkaufszahlen sind um ca. 70% zurückgegangen, ich schätze, dass andere Bands und Plattenfirmen Einbußen in ähnlichen Dimensionen erleben. In Zukunft glaube ich, dass die CD-Verkäufe weiter zurückgehen werden, während die Online-Verkäufe weiter wachsen. Trotzdem wird es einen Bedarf an physischem Tonträger geben, das beweist die steigende Vinyl-Nachfrage in den letzten Jahren. Aber ob sich die CD als Finished Product in CD Läden durchsetzen wird, da bin ich mir unsicher, im Moment ist zumindest keine Alternative in Sicht. Der klassische CD-Handel wird aber aufgrund der vielen Downloads auf Dauer nicht mehr profitabel sein. Die Musikindustrie befindet sich seit Jahren in einer Umbruchphase, die noch lange nicht abgeschlossen ist. Labels werden sich nicht wie bisher nur um Tonträgerherstellung-, vertrieb, und -verkauf kümmern müssen, sondern sind gezwungen neue Aufgabenfelder zu erschließen, um überleben zu können. Bereiche, die hier immer wichtiger werden sind Tourbooking, Merchandising, Lizenzen und Verlagswesen. Diese Umstrukturierungen sind auch in vollem Gange wobei bereits diverse kleinere Labels auf der Strecke geblieben sind. V2 ist das jüngste Beispiel, die Ende 2007 ihre Pforten schließen mussten. Einen sehr interessanten Weg schlägt jetzt ein Bekannter von mir ein, der eine Promotion Agentur betreibt: Er nimmt Bands unter Vertrag, denen er Promotion und Vertrieb bietet, im Prinzip gründet er ein Label ohne Label. Die Platte des Künstlers kommt in die Läden und über Promotion wird das Produkt beworben (Print, Online, Radio, TV). Mehr will man doch als Künstler nicht und das Label ist als Mitverdiener ausgeschaltet. Das ist aber nur eine Variante für die Zukunft, grundsätzlich gehe ich aber davon aus, dass Labels im klassischen Sinne aussterben werden. Wer sich für diese ganze Geschichte interessiert, dem empfehle ich das Buch Kinder, der Tod ist gar nicht so schlimm!” von Tim Renner. Blendet man das starke Ego des Autoren aus, findet man hier durchaus interessante Ansätze zur Zukunft der Musikindustrie und eine interessante Analyse der aktuellen Lage (Stand ist 2004). Außerdem bekommt man grundlegende Infos über die Geschichte von Plattenfirmen und Musikindustrie.
Das Internet ist somit gleichermaßen Fluch und Segen – denn einerseits werden kleine Bands schneller bekannt, aber andererseits hat man kaum noch die Möglichkeit sich grundlegend in deren Musik “zu verlieben”. Vorbei die Tage, in denen Musikfreunde vom Mund abgesparte Metallica Alben in die Glasvitrine stellen ..was haltet ihr von Onlineportalen wie MySpace und dem heutigen Internetgebären?
Gutes Stichwort. Ich erinnere mich noch an die Zeit, als man in den CD-Laden gepilgert ist, um zu schauen was alles neues angekommen ist und man stundenlang mit Reinhören am Tresen verbracht hat. Da hat man eine gekaufte Platte auch mal einen Monat jeden Tag am Stück gehört und regelmäßig Mixtapes gemacht. Nix Playlisten oder so was. Trotzdem glaube ich, dass das Internet das Beste war, was den Musikern dieser Welt passieren konnte, Kommunikationswege und Präsentationsmöglichkeiten sind einfach enorm. Es gibt den Künstlern eine Fülle von Möglichkeiten, sich selber zu vermarkten, ihre Netzwerke zu erweitern und ihre Karriere selber in die Hand zu nehmen. Das gab es vorher nicht und bedeutet die Chance zur Unabhängigkeit von Managements, Agenturen und Plattenfirmen. Grade letztere besaßen bis Ende der 80er eine Monopolstellung als Filter des guten Geschmacks” und werden in dieser Funktion glücklicherweise immer weiter zurück gedrängt. Im Internet findet man tonnenweise ungesignte Bands und das empfinde ich persönlich als positiv, denn so muss man als kleine Band nicht untätig im Proberaum rumsitzen und drauf warten, dass etwas passiert, sondern man kann direkt loslegen. Klar beschweren sich auch viele über diese Massen von Bands und dass jetzt jeder der ne Gitarre halten kann, auch ne Band haben darf, aber ich glaube, wir haben größere Probleme auf der Welt, als zu viele schlechte Bands. Unterm Strich bleibt nach wie vor Qualität gefragt und die wird sich auch weiterhin durchsetzen. Und durch das Internet haben diese ganzen Bands die Möglichkeit zu zeigen was sie können, das find ich super.
Kommen wir zu Euerm neuen Album “Between the devil and the deep blue sea”. Es sah lange nicht danach aus (räumliche Trennung, Schicksalsschläge), dass ein neues “D-Sailors” Werk erscheinen würde. Welcher Prozess stand hinter dem Schreiben der neuen Songs? Welche Motivation ..
Wir hatten in den letzten vier Jahren definitiv eine schwere Zeit. Zuerst der Tod von Marco, dann mein Umzug nach Berlin, das war alles nicht einfach für uns. Ich erinnere mich noch an eine laue Sommernacht 2005, wo wir gerade mit all diesen Veränderungen konfrontiert waren. Ingmar, unser Gitarrist, und ich standen auf einer Party rum und haben unsere Zukunft besprochen. Irgendwie war es klar, dass wir gerne noch ein Album aufnehmen würden, egal wie. Vor allem wollten wir das auch gerne für und mit Matthi machen, der die Lücke die Marco hinterlassen sehr eindrucksvoll geschlossen hat. Also haben wir angefangen zu schreiben, zu planen, und das alles erstmal ohne zeitlichen Druck. Wir wollten erst alles fertig machen und dann schauen, was wir damit machen, was natürlich etwas länger gedauert hat. Das Songwriting war recht umständlich, da wir im Vergleich zu den Produktionen vorher recht wenig Zeit miteinander verbracht haben. Matthi, Ingmar und Uli haben viel Instrumental zu dritt geprobt, während ich in Berlin getextet und Gesangsmelodien geschrieben habe. Ich musste trotzdem viel nach Köln pendeln, das war alles schon mit einer sehr großen Energieleistung verbunden. Die Band hat uns immer sehr viel bedeutet und das Weiterzuführen war für uns der größte Antrieb. Ich bin froh, dass wir das hinter uns gebracht haben und wir sind jetzt natürlich ganz stolz, dass das alles so geklappt hat, mit der neuen Platte, mit der Brasilientourdoku, auch wenn das alles was länger gedauert hat als gedacht.
Wie seht ihr das Album im Vergleich zu Euern vergangenen Auskopplungen?
Wir haben uns weiterentwickelt in den letzten Jahren. Das liegt hauptsächlich daran, dass wir zum ersten Mal seit 11 Jahren die Besetzung gewechselt haben. Wir haben mit Matthi einen neuen und sehr fähigen Schlagzeuger, der sich mit ins Songwriting eingebracht hat und ich habe zum ersten Mal meine Gitarrenspuren eingespielt, die sonst immer Ingmar mit übernommen hat. Natürlich waren die Produktionsvoraussetzungen nicht so optimal wie bei Lies and Hoes”, aber trotzdem ist dies ein wichtiges Album für uns, auch wenn es unter einem ungünstigeren Stern stand. Between the devil and the deep blue sea” ist wie der Titel schon sagt ein Album mit zwei Seiten. Vom Songwriting und den Texten sind definitiv unsere bisher besten Songs auf diesem Album, bei der Produktion und den Aufnahmen wäre mit Sicherheit noch mehr drin gewesen, allerdings war das aufgrund der Umstände nur schwierig zu realisieren. Ein Gradmesser für die Qualität der neuen Platte ist für mich übrigens unser Liveset. Die Songs fügen sich super ein und die Leute nehmen die Songs total gut auf. Das ist für mich der beste Beweis dafür, dass wir uns positiv weiterentwickelt haben.
Aus der Biographie bzw. Homepage erfährt man viel über Eure Erfahrungen in Brasilien und die damit verbundene Freundschaft mit “Nitrominds”. Wie unterscheiden sich die Szene und das Publikum dort im Gegensatz zu unserer?
Der grundlegendste Unterschied zwischen der brasilianischen und der deutschen Szene ist, dass die Kiddies dort unten noch nicht in diesem Maße mit Bands und Releases überflutet werden, wie das in Deutschland der Fall ist. Auf ein Konzert zu gehen ist dort etwas viel besonderes als für Leute die hier in Köln, Hamburg, Berlin oder München wohnen, wo du jeden Tag ne Band sehen kannst. Kommt diese Band auch noch aus dem Ausland, zählt das noch mal doppelt. Die Leidenschaft und Energie der Kids ist in Brasilien noch mal einen Tick stärker als hier und das haben wir dort bei sehr intensiven Konzerten auch erfahren dürfen. Das war echt unglaublich und das erleben wir in diesem Maße in Deutschland eher selten. Es ist einfach schön zu sehen, was unsere Musik den Kids da unten bedeutet und gibt einem viel von dem wieder zurück, was man so an Arbeit in dieses Album und generell in die Band hineingesteckt hat. Trotzdem spielen wir natürlich auch gerne Konzerte in Deutschland. Wir haben hier nen Haufen Freunde und auch viele grandiose Konzerte gespielt. Grade in unserer Heimatstadt Jülich haben wir regelmäßig brasilianische Verhältnisse, da stehen die Kiddies den Brasilianern in ihrem Enthusiasmus auch in nichts nach.
Im Zuge der Veröffentlichungen werdet ihr auch wieder zahlreiche Bühnen unsicher machen – worauf freut ihr Euch am Meisten? Gute Vorsätze für das neue Jahr?
Ich persönlich liebe es zu touren. Das ist das Größte für mich, durch die Weltgeschichte zu reisen und aufzutreten. Wir werden viele Leute wiedertreffen und einen Teil der Konzerte in Deutschland mit den Nitrominds zusammenspielen. Das wird ohne Frage großartig. Vorsätze fürs neue Jahr gibt’s aber erstmal keine besonderen. Wir werden im Sommer vielleicht ein paar Festivals spielen und im Herbst hoffentlich mal ein bisschen mehr Richtung Süden fahren. Ansonsten werden wir’s eher locker angehen lassen, ein paar neue Songs schreiben und ein bisschen verschnaufen.
Zum Ende noch die Möglichkeit eine Nachricht an unsere Leser rauszuschicken .die Moral von der Geschicht’ oder einfach einen guten Rat mit auf den Weg zu geben?
Ich möchte hier unseren Mischer Alex zitieren: Wenn man sich entscheiden muss, und man hat zwei Biere zu Auswahl, trinkt immer das Vollere aus.” Was waren das eigentlich gestern für Japaner?
Peace
Uli
Besten Dank für das Interview, viel Erfolg für die Tour und das Album! Bleibt wie ihr seid!
Du musst eingeloggt sein, um Kommentare zu posten.