Survival of the fittest
Normalerweise ist die klassische Rollenverteilung zwischen Gut und Böse in Hollywood klar definiert. Der Bösewicht tut alles daran die Abneigung des Publikums auf sich zu ziehen, während der Sympathieträger sich durch schlüssiges Handeln der Gunst des Zuschauers sicher sein darf. Manchmal liegt die Wahrheit aber auch irgendwo in der Mitte und umso schwieriger ist es sich in solch einem Fall auf einen Charakter festzulegen. Filme wie “The Rock” oder “Heat” haben gezeigt, dass nicht jede vermeintlich “schlechte” Handlung auch einen grundlegend dunklen Hintergrund haben muß. Gerade dieser Umstand macht auch “Seraphim Falls” interessant. Mit den beiden (Nord-) Iren Liam Neeson (Rob Roy, Gangs Of New York) und Pierce Brosnan (James Bond, Robinson Crusoe) wurden bewährte Charakterdarsteller besetzt.
Die Geschichte um den ehemaligen Südstaaten Colonel Carver (Neeson) und den Nordstaatenoffizier Gideon (Pierce Brosnan) dreht sich von Beginn mehr um die Situation und die Momentaufnahme der Protagonisten als um die Beleuchtung der Vergangenheit. Erst Zug um Zug werden die Fronten via Rückblenden aufgeklärt und die Ereignisse durchleuchtet, die zur Verfolgungsjagd in Schnee, Wüste und Einöde führten. Drei Jahre nach Ende des Bürgerkrieges hat Carver noch nicht mit diesem schattenreichen Kapitel abgeschlossen. Er lebt für die Rache an seinem Widersacher Gideon. Gemeinsam mit 4 Häschern treibt er ihn durch die Ruby Mountains und darüber hinaus. Fern vom klassischen Racheepos stellt sich im Verlauf kein wirklicher Akt der Boshaftigkeit heraus, sondern der nackte Kampf ums Überleben. Beide Seiten haben ihre Beweggründe und so fiebert man einem Western Showdown entgegen, der kein glückliches Ende nehmen kann. Die Rahmenhandlung beschränkt sich bei diesem Streifen auf ein Minimum. Vielmehr legt man Wert auf die Beharrlichkeit der Jagd, geschickt gestellte Fallen im Rambokostüm (Freunde von Jagdmessern kommen auf ihre Kosten) und wiederkehrende Überraschungen, die den Reiz und die Spannung des Films von Regisseur “David Von Ancken”, der sich bisher eher durch seine Arbeiten im Crime Serien Sektor (CSI: NY, Cold Case) hervorgetan hat, ausmachen. Einige dieser Konflikte sind ausgefallen und blutig zugleich. Brosnan ist zwar kein Bond mehr, aber beweist zuletzt mit “Mord und Margaritas” und nun “Seraphim Falls”, dass er keine Smokings und geschüttelte Martinis benötigt, um authentisch und souverän zu wirken. Symbolträchtiges Westernkino für das heimische Wohnzimmer, welches mit einfachen Mitteln und gelungenen Landschaftsaufnahmen zu gefallen vermag.
Note: 2,0
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