Jasmin Tabatabai – I ran

Erscheinungsdatum: 07. September 2007 / Label: Chet (Groove Attack)

08.09.2007

CD-Review

Emotionales Protokoll

Vor 10 Jahren sorgte ein Film über 4 Gefängnisausbrecherinnen und deren gemeinsame Band für ein Auflodern der deutschen Kinokultur und stellte den Durchbruch für eine aufstrebende Darstellerin namens Jasmin Tabatabai dar. Das Besondere an “Bandits” war die Tatsache, dass die Filmmusik von den Hauptdarstellerinnen selbst geschrieben und eingespielt wurde. Über 700.000 verkaufte Exemplare des Soundtracks waren nur ein Beleg dafür, dass in der deutsch-iranischen Schauspielerin auch ein Musikerherz schlummert. Im Frühjahr 2002 veröffentlichte sie ihr Solodebüt “Only love”, nachdem sie mit “Even Cowgirls Get The Blues” schon einschlägige, musikalische Erfahrungen sammeln konnte. Von einem Nachfolgealbum wurde bereits 2 Jahre später gesprochen, aber es mussten ganze 5 Jahre ins Land ziehen, bevor aus der Idee etwas Greifbares wurde.

“I ran”, welches vom Titel mit den eigenen Wurzeln der persischen Herkunft kokettiert, wird von Jasmin Tabatabai als emotionales Protokoll und Spaziergang durch die letzten 5 Jahre ihres Lebens bezeichnet. Erwachsener und emotional gereift stellt es für die Künstlerin eine Weiterentwicklung zu “Only love” dar. War das letzte Album noch von ruhigeren Klängen geprägt, setzt der Nachfolger ein weiter gefasstes Gefühlsspektrum um. Bereits die ersten beiden Stücke zeigen sich als beschwingte Popnummern mit Mitwippfaktor. Songs wie “Inspiration”, “On My Way” (Iron Jawed Angels, 2004), “You in my dream” (Olgas Sommer, 2003), “Let Yourself Go Wild” (Blood & Chocolate) fanden bereits in diversen Filmen – allein 2 davon für die Regisseurin Katja von Garnier, mit der sie 1997 auch “Bandits” drehte – sowie einem TV-Spot Verwendung und wurden nun in die eigene Playlist übernommen. Das leicht Trip Hop angehauchte “Toi” spielte sie mit Freundin Nicolette Krebitz ein, die sich darüber hinaus an weiteren Kompositionen beteiligte. “I ran” ist diese Art von Album, die man zu einem entspannten Frühstück am Sonntagmorgen einlegt und sie als Begleitmusik zwischen Croissant und verliebten Blicken einer harmonischen Partnerschaft laufen lässt. Über weite Strecken bleibt es gefällig, aber auch unauffällig. Zwischen Weltmusik, akustisch-melancholischen Klängen und handzahmen Popmelodien zeigt sich Tabatabai weder offensiv noch verletzlich und hinterlässt am Ende ein ebenso unentschiedenes Gefühl beim Hörer. Fans der vielseitigen Künstlerin sollten dennoch eine Reise riskieren und vielleicht entdeckt man auf dieser sogar den ein oder anderen Moment, der sich über längere Zeit im Gedächtnis festsetzt. Gerade die beiden letzten, experimentellen und elektronisch gehaltenen Beiträge und die positivere Grundstimmung im Allgemeinen zeigen, dass noch Potential nach oben ist.

Note: 3,5

Trackliste:

1. Let’s Stay Together

2. You In My Dream

3. Inspiration

4. Tomorrow I’ll Be Gone

5. Anymore

6. On My Way

7. Hippie

8. Until The End

9. All Can Come Close

10. Toi

11. Move On

12. I Ran

13. Let Yourself Go Wild

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