Unheilig – Lichter der Stadt

Erscheinungsdatum: 16. März 2012 / Label: Vertigo Berlin (Universal)

08.04.2012

CD-Review

So wie Du warst

Die Diskussionen um “Unheilig“ und den Grafen reißen nicht ab. Während sich der Sänger und Songschreiber noch in einem Stern Interview von der Abkehr “alter“ Fans berührt zeigt, sind es gerade die Jahre 2010 und 2011, die ihn in den Spitzenkreis nationaler Künstler katapultieren. “Große Freiheit“ dominiert die Jahrescharts, viele weitere Ranglisten und lässt sich gleich mehrfach mit Platin veredeln. Der verdiente Lohn für 10 Jahre harte Arbeit, möchte man meinen. Doch weit gefehlt. Anhänger der Neuen Deutschen Härte setzen die ungeschliffenen Klänge und Worte der Vergangenheit mit der auffallend braven Neuausrichtung kritisch in Vergleich.Die (Radio-)Single “Geboren um zu leben“ dabei nur die Spitze des Eisbergs. Stets im Schatten von Bands wie “Oomph!“ oder “Rammstein“ ist der Name “Unhelig“ jedoch gerade durch diesen Umbruch eine ebenso ernstzunehmende wie für sich allein stehende Größe.

“Lichter der Straße“ – das Album nach dem kommerziellen Durchbruch – entscheidet sich für den “Hauptstrom“. Beleg dafür nicht zuletzt Gastauftritte von Künstlern wie Xavier Naidoo (Zeitreise) und Andreas Bourani (Wie wir waren). Letzterer wird “Unheilig“ bei der anstehenden Tour als Support begleiten. Das wird vielen eingefleischten Fans nicht schmecken, aber der Graf gibt sich spürbar gezähmt. Balladen dominieren den Geist. Durchzogen von Pathos, Herzeleid und tragenden Goth Pop Momenten. Die Kanten wurden weggeschliffen. Lediglich Nummern wie “Herzwerk“ und “Eisenmann“ bekennen sich noch zu E-Gitarre und gut dosierter Härte. “Unsterblich“, der Titelsong oder “Ein großes Leben“ machen sich in jedem ZDF Fernsehgarten oder der x-ten Schlagerparade prächtig. Damen im gesetzten Alter liegen dem Charakterkopf sicher bald in Scharen zu Füßen. Und trotzdem setzen sich Melodie und Seemannschor von “So wie Du warst“ oder das Oh-oh-oh von “Tage wie Gold“ im Gedächtnis fest. “Lichter der Straße“ ist eine Schunkelplatte, die zeigt, daß die Würfel in Sachen Stilfindung gefallen scheinen. “Unheilig“ war einmal. Lang lebe die Konformität.  

Anspieltipps: “So wie Du warst“, “Wie wir waren“ und “Zeitreise“

Note: 3,6

Trackliste:
1. Das Licht (Intro)
2. Herzwerk
3. So Wie Du Warst
4. Tage Wie Gold
5. Wie Wir Waren
6. Unsterblich
7. Feuerland
8. Lichter Der Stadt
9. Ein Guter Weg
10. Ein Grosses Leben
11. Brenne Auf
12. Zeitreise
13. Das Leben Ist Schön
14. Eisenmann
15. Vergessen
16. Die Stadt

http://www.unheilig.com/

Autor: Jens

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