
SchmeichelhaftIn den 90ern – als MTV noch als videomusikalisches Sprachrohr der Welt gilt – gehören die “Cranberries“ zu den wie selbstverständlichen Vertretern von Formaten wie den “European Top 20“ oder der “Hitlist UK“. Angeführt von der einnehmenden Stimme einer Dolores O’Riordan werden Singles wie “Linger“, “Salvation“ und natürlich das alles überstrahlende “Zombie“ zu Welthits. Die ersten drei Alben mehrfach mit Platin ausgezeichnet, die Band mit über 30 Millionen verkauften Platten auf der Erfolgsspur. “Wake up and smell the coffee“ (2001) der vorerst letzte Output. 2003 gibt die irische Formation ihre Trennung bekannt und während sich die anderen Bandmitglieder an Soloprojekten oder gar als Restaurantbesitzer versuchen, geht O’Riordan zu Beginn voll in ihrer Rolle als Frau und Mutter auf.4 Jahre später – dann doch die Rückkehr zur Musik: Die erste Soloplatte “Are You Listening?“. Ebenso wie der Nachfolger “No baggage“ (2009) weg von globalen Konflikten und Zusammenhängen hin zur Introspektive und der Verarbeitung des persönlichen Erfahrungsschatzes und Gefühlsleben. Eine Akustik Performance zur Verleihung eines Ehrendiploms am Trintiy College bringt die Band wieder zusammen. Eine Reunion Tour führt die “Cranberries“ durch Europa, Nord- und Südamerika und nach Asien.
Viele in dieser Zeit gesammelten Songideen schlagen sich auf “Roses“ nieder. 11 Jahre nach ihrem letzten Album gibt sich die Band kontrolliert (vielleicht sogar kalkuliert) gefühlvoll. Aufbrausende Stücke im Stile von “Salvation“ oder “Zombie“ sucht man vergebens. Da wären höchstens “Schizophrenic Playboys“ oder “Show me“, die sich ein wenig gegen den Wind stellten. Bereits die erste Single “Tomorrow“ gibt die Richtung vor – Radiopopkultur. Solche Nummern gab es auch in der Vergangenheit, in diesem Fall jedoch fast ausschließlich. Hier mal ein paar Streicher, dort eine Melodica oder ein Akkordeon. O’Riordan Charakterstimme und vokales Bindeglied. Nichts desto trotz lässt sich Album Nummer 6 angenehm durchhören. “Losing my mind“ oder “So good“ reichen sogar an alte Stärken heran. Zitat aus dem Promotext: “Die Songs auf Roses stammen von einer Band, die wieder hungrig ist…“. Nach der langen Pause funktioniert “Roses“ nur leider nicht als umfassender Weckruf, sondern als leise, schmeichelhafte Wiederkehr.
Anspieltipps: “Conduct“, “Losing my mind“ und “So good“
Note: 3,2
Trackliste:
1. Conduct
2. Tomorrow
3. Fire & Soul
4. Raining in my heart
5. Losing my mind
6. Schizophrenic Playboys
7. Waiting in Walthamstow
8. Show me
9. Astral Projections
10. So good
11. Roses
Bandmitglieder:
Fergal Lawler – drums, percussion
Mike Hogan – bass
Noel Hogan – guitar, keyboards, melodica, string melodies
Dolores O’Riordan – vocals, string melodies
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