
Krächzender AbsturzUnkonventionell, schräg und laut – das ist Evelinn Trouble (bürgerlicher Name: Linéa Racine). Die extravagante Schweizerin besticht durch Lautstärke und Schräge, im Stilmix aus Courtney Love und Juliette and The Licks. Sie begann ihre musikalische Laufbahn in Form ihrer Maturaarbeit, die zugleich auch ihr erstes Album „Arbitrary act“ darstellte. Hierauf spielte sie selbst alle Instrumente ein. Danach folgte eine musikalische Flucht nach New York, die ihr jedoch wenig Aufmerksamkeit und Erfolg einbrachte, weswegen sie 2009 wieder nach Europa zurückkehrte, um fortan an „Television Religion“ zu arbeiten.
Die ersten beiden Tracks „Seaworld“ und „Nothing“ krachen unaufhörlich laut aus den Boxen. Von schrägen Töne bestimmt, versuchen sie rotzig, individuell und Rock’n'Roll zu sein, stoßen dabei aber nur auf taube Ohren. Die beißende E-Gitarre stachelt die Stimme hierbei in den ganz eigenen Rausch des ultimativen Krächzens, das schon fast an Körperverletzung grenzt. „I’m On Fire“ besticht durch ein an Darth Vader ähnelndes Atemgeräusch, das den plötzlich so ruhig-reinen Gesang der Sängerin fortwährend unterbricht. Der penetrante Atemrausch verstört das sonst sehr wohlklingende Stück, in dem die Sängerin in den leisen Passagen beweist, dass sie eine durchaus angenehme Klangfarbe besitzt. Im Stilmix, dass einem das Blut in den Ohren sausen lässt, geht es munter weiter. Eins steht dabei fest: die Liste der Überraschungen findet auf diesem Album kein Ende. Mit Blick auf die Rückseite des CD Covers fällt auf, dass Track Nummer 8 fehlt. Auf der CD ist dieser Raum mit einem Balsam aus zwei Minuten Ruhe bestückt. Ein weicher, dezenter Klang, wie aus einer Klangschalle, beruhigt das Gemüt und so, allem Anschein nach, auch die Künstlerin. Der Song „Mother“ knüpft an diese dezente Grundstimmung nahtlos an und beweist, dass Evelinn Trouble auch ohne großen Lärm auskommt. Zugegebenermaßen geht die Stimme, bei all der Zurückhaltung, fast unter. Dennoch ist der Track der Beweis dafür, dass auch die quirlige Sängerin inne halten kann, wenn sie denn muss. Neben neun eigenen Stücken, ist das Album mit zwei Coverversionen bestückt. Das erste Cover ist „I Was A Lover“ von TV On The Radio. Interessant umgesetzt, mit Fokus auf die klaren Zeilen der Strophe, mit leichtem Hall unterlegt. Eine sehr angenehme Nummer, die Spaß macht und einen gewissen 80er Jahre Flair besitzt. Das zweite Cover stammt vom besten Gitarristen aller Zeiten, Jimi Hendrix. Sein „I Don’t Live Today“ wird kraftvoll und energisch inszeniert. Ohne jedoch die Unverwechselbarkeit auszustrahlen, die die Gitarrenikone dem Song eingehaucht hat. Im Vergleich zu den anderen Powersongs des Albums jedoch eine Perle.
Die Schweizerin schießt an vielen Stellen über die Tonleiter und die Verträglichkeit des gesunden Ohres hinaus. Die Mischung aus wilden Synthesizereinlagen, schrillen Gitarren und überzogenem Grundsound machen die zweite CD der Sängerin zu einem Graus. Die Überinszenierung schlägt fehl. Vor allem in den leisen Songs flackert immer wieder ein Hoffnungsschimmer auf, der in der nächsten Minute brutal niedergeschlagen wird. Entweder durch den Gesang, als Schlagbohrer oder durch ein wirres Gerumpel durch die Soundmischanlage. Für mich ist die Platte damit ein Fehltritt.
Anspieltipps: My Lies, I Don’t Live Today
Note: 4,0
Trackliste:
1. Seaworld Eyes
2. Nothing
3. I’m On Fire
4. My Lies
5. Waste
6. I Was A Lover
7. Warface
8. -
9. Mother
10. The Chill
11. So Long
12. I Don’t Live Today
Bandmitglieder:
Evelinn Trouble – vocals, guitar, keys
Flo Goette – bass, guitar, drums, percussion
http://www.evelinntrouble.com/
http://www.myspace.com/evelinntrouble
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