
Gänsehaut-nahGary Barlow, Mark Owen, Howard Donald, Robbie Williams und Jason Orange haben zwischen 1990 und 1996 den Begriff Boygroup neu definiert und mit Bekanntgabe der Auflösung eine regelrechte Tränenflut ausgelöst. Noch nie waren die Folgen so weitreichend und eine spätere Reunion so erfolgreich. Über 40 Millionen verkaufte Platten haben ihre Spuren hinterlassen. Die Abschiedssingle “Never forget” wörtlich zu nehmen. Singles wie “Back for good”, “Babe” oder das Bee Gees Cover “How deep is you love” nicht zuletzt in der Vorweihnachtszeit wieder gern gehörte Begleitmusik. Seit 2005 beweisen Gary Barlow und Kollegen (ausgenommen Robbie Williams), daß man eine Boygroup in Würde und mit Erfolg altern lassen kann.“Patience”, “Shine” oder “Greatest day” – es hagelt im Vereinigten Königreich wieder Nummer 1 Hits. Die dazugehörigen Alben “Beautiful world” (2006) und “The circus” (2008) nicht minder erfolgreich. Die Rückkehr von Robbie Williams, selbst als Solokünstler dick im Geschäft, somit eine Popfusion der Superlative. Das Produkt der Wiedervereinigung dennoch überraschend. “Progress“ ein Synthie/Electro Pop Album, das sich auf der einen Seite nicht so recht in die bisherige Diskographie einfügen möchte, auf der anderen aber gerade durch das besondere Melodiegespür und die gereiften, perfekt harmonierenden Stimmen überzeugt.
Die dazugehörige Tour eine Konzertreihe der Superlative. Ein Event, das sich nicht allein auf die Wirkung der Ausnahmeband beschränkt, sondern ihre musikalische Entwicklung effektvoll nachzeichnet. “Progress Live“ wird im Rahmen einer Show in ihrer Heimatstadt Manchester aufgezeichnet. Ganze acht Mal treten sie im ausverkauften City of Manchester Stadium auf. Über 440.000 Menschen sehen dort ein 2 1/2-stündiges Spektakel, das sich gewaschen hat. Drei Phasen – es beginnt mit der Schaffensperiode zwischen 2005 und 2008. Das Quartett Barlow, Owen, Donald und Orange gibt Songs wie “Rule the world“, “Greatest day“ oder “Patience“ zum Besten und versetzt mit Kostümglanz und perfekten Gesangsharmonien das Publikum in Ekstase. “Let me entertain you“ – im zweiten Block übernimmt Robbie Williams das alleinige Zepter. Anfangs etwas affektiert (oder doch eher überdreht) performt er sich in einen Rausch. Vollblutentertainer. Seine raue Stimme erzählt von den gelebten Tagen, die er ohne die Band verbracht hat. “The flood“ leitet den Hauptteil ein und zeigt wie gut sich alle 5 wieder ergänzen. Stücke wie “Kidz“, “Pretty things“ und “Underground Machine“ zahlen dem aktuellen Album Tribut. Die Evolution ist auf dem Höhepunkt und wird durch einen akustischen, reduzierten und dadurch authentisch wirkenden Part aus älteren Titeln wie “Back for good“ und “Pray“ gebrochen. Zum Abschluß Glanz und Gloria mit “Relight my fire“ und artiges Verabschieden in Form von “Eight letters“. Die Stimmung und Stimmen aus dem Publikum Gänsehaut-nah festgehalten. “Progress live“ ist, ohne Zweifel, beeindruckend perfekte Konzertunterhaltung. Diese Bühne voller Metaphern, samt riesigem beweglichem Körper, der sich zum Ende im Stadion aufrichtet. Die Performance der Beteiligten. “Take That“ stehen den Tänzern und der Ausstattung in nichts nach. So liefern sich Orange und Donald einen Dance Battle inkl. Breakdance Moves, Williams stürzt sich kopfüber in die Tiefe und Owen reitet auf einer riesigen Raupe im “Alice im Wunderland“ Stil. Abgerundet durch das charmante Making Of – mehr als gelungen. Ich bin normalerweise kein Freund von Live DVDs, schon gar nicht, wenn ich das Konzert selbst nicht miterlebt habe. Spätestens jetzt darf man mich aber als “Take That“ Fan bezeichnen.
Note: 1,4
Trackliste:
Disc 1
1. Rule the world
2. Greatest day
3. Hold up a light
4. Patience
5. Shine
6. Let me entertain you – Robbie Williams
7. Rock DJ – Robbie Williams
8. Come Undone – Robbie Williams
9. Feel – Robbie Williams
10. Angels – Robbie Williams
11. The Flood
12. SOS
13. Underground Machine
14. Kidz
15. Pretty things
16. When they were young Medley*
17. Back for good
18. Pray
19. Love Love
20. Never Forget
21. No regrets/Relight my fire
22. Eight Letters
*includes A Million Love Songs, Babe, Everything Changes
Disc 2
Making Progress Live documentary
Bandmitglieder:
Gary Barlow
Mark Owen
Howard Donald
Jason Orange
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