Der Polar – Herz + Blut

Erscheinungsdatum: 30. September 2011 / Label: Ferryhouse Productions (Warner)

29.09.2011

CD-Review

Einer von Vielen?

Es scheint als ob die junge Karriere des Singer/Songwriters Stephan Piez, im Weiteren “Der Polar“ genannt, ebenso behutsam aufgebaut werden soll, wie sich die Songs aus seiner Feder in ihrer Wirkung vorm Hörer entfalten. Bereits im Februar dieses Jahres erscheint die Single “Weggewischt“. Im dazugehörigen Video spielt Boxerin Regina Halmich die Hauptrolle und bekennt sich mit ihrer Unterstützung zum Potential des Aachener Musikers. Dieses wird auch vom Hamburger Produzenten Stani Djukanovic erkannt. Über ihn wird die Verbindung zum Musiklabel ferryhouse hergestellt. Die Musik pendelt dabei zwischen analogem Songwriting und elektronischen Arrangements. Künstler wie Billy Joel, Herbert Grönemeyer, Udo Lindenberg und Rio Reiser spielen eine unüberhörbare Rolle in der Entwicklung des Newcomers. Melancholie bleibt ebenso ein bestimmendes Element wie die Texte zwischen Zynismus, Ironie und Großstadtgefühlen.

Für das zweite Video kann erneut ein bekanntes Gesicht gewonnen werden: Cosma Shiva Hagen, die zudem ihre “Sichtbar“ für die Releaseparty seines Debüts zur Verfügung stellt. Der Neonschein des Covers trügt, denn ein Partyalbum ist “Herz + Blut“ keinesfalls. Vergleichbar mit der Entwicklung Cluesos steht “Der Polar“ für eine atmosphärische Fusion aus Akustik, Pop und Elektro. Er arbeitet mit Hall und Effekten, unterlegt mit dosierten Beats, lässt aber seiner Stimme und den Melodien den größten Wirkungsraum. “Egoshooter“ nimmt zu Beginn das Thema Drogen auf und fesselt durch seine hypnotisierende Wirkung, einen Hauch von Monotonie, um sich gegen Ende aufzubäumen. Immer wieder leitet er seine Songs mit instrumentalen Skits ein und öffnet damit den folgenden Titeln den Vorhang. Die Single “Ich bin bei Dir“ überzeugt mit tollem Refrain und harmonischen Gesanglinien. Schönes Liebeslied. “Die Frisur“ vermittelt eher den Chill Out Charakter einer Café Del Mar Compilation. Lebhafter wird es lediglich beim bes(ch)wingten “Eine von vielen“, dem rockigen “Wir sind Helden“ oder dem Disco beeinflussten “Selbstgespräche“. “Der Polar“ zeigt sich auf Augenhöhe in/mit einer Reihe von derzeit aufstrebenden deutschen Singer/Songwritern und bewahrt sich trotz erkennbarer Rio Reiser und Udo Lindenberg Zitate ein eigenes Ich.

Anspieltipps: “Ich bin bei Dir“, “Wir sind Helden“ und “Ich hab Dein Herz nicht verdient“

Note: 1,9

Trackliste:
1. Egoshooter
2. ich bin bei dir (Skit)
3. Ich bin bei Dir
4. die frisur (Skit)
5. Die Frisur
6. ping pong – mr. flop & taps (Skit)
7. Ping Pong – Mr. Flop & Taps
8. der fährmann (Skit)
9. Der Fährmann
10. weggewischt (Skit)
11. Weggewischt
12. Eine von Vielen
13. wir sind helden (Skit)
14. Wir Sind Helden
15. Ich hab Dein Herz nicht verdient
16. selbstgespräche (Skit)
17. Selbstgespräche
18. urlaub in den grossen metropolen (Skit)
19. Urlaub In Den Grossen Metropolen
20. Herz + Blut
21. Antikind
22. Ich bin bei Dir (Radio Version)

http://www.derpolar.de/

Autor: Jens

Kommentieren

Du musst eingeloggt sein, um Kommentare zu posten.