
Musikalische SonnenfinsternisManchmal ist eine musikalische Beschreibung bereits so ausgefallen, daß der eigentliche Hintergrund verschwindet. Dabei haben “Kellermensch“ durchaus eine Geschichte zu erzählen. Bereits der Bandname basiert auf einen Dostojewski Roman und zeugt vom ausgewählten Geschmack der Mitglieder. Diese stammen aus dem dänischen Esbjerg und haben sich der Fusion von Doom Metal und Indie Rock verschrieben. Geht nicht? Geht doch. Bereits 2009 versetzt das selbst betitelte Debütalbum die Kritiker in Verzückung. Atmosphärisch dichte Songs, denen immer eine gewisse Melancholie – beinahe Tristesse beiwohnt, die am Ende aber hochmelodisch und intensiv den Weg ins Hörerherz finden.
Im Namen der Kreativität ist “Kellermensch“ das erste Ausrufezeichen, das manch anderen Bands nicht mit vier oder fünf Platten gelingt. Getrieben von einer gewissen Traurigkeit, dabei dennoch über die Dinge erhaben. Die Vergleiche reichen dabei von “Joy Division“ über Nick Cave bis zu den “Einstürzenden Neubauten“, “Neurosis“ und “Kings Of Leon“. Progressive/Art Rock, der erstaunlich schnell zündet. Während das Intro noch zwischen Gegröle und leidendem Gesang wechselt und dabei von einem anmutigen Klangteppich untermalt wird, stellen Songs wie “Moribund Town“ und “Army Ants“ unmissverständlich klar, daß mindestens einer der beiden Sänger auch wirklich singen kann. Letztere Nummer erinnert mit seiner Hymnenhaftigkeit an die “Killers“, lediglich gestört von gelegentlichen Brülleinlagen. “Nothing left“ bricht jedoch deutlich mit den vorhergehenden Indiemustern und bringt Sludge und Doom Metal ins Spiel. Es geht tief runter, das Tempo wird verschleppt und Düsternis bricht über den Hörer herein. “The day you walked“ beinahe beschwörend, während “Dead end“ avantgardistisch bis metallisch zu Werke geht. “Narcissus“ wird von angenehmen Pianoklängen begleitet und zaubert wieder ein kleines Lächeln auf das Gesicht. “All time low“ ein repräsentatives Beispiel wie gut der ungewöhnliche Soundmix zwischen hart und zart funktioniert. Diesem besonderen Melodiegefühl kann nur noch das abschließende, von Streichern untermalte “30 Silver Coins“ das Wasser reichen. “Kellermensch“ sind gleichermaßen ergreifend wie erschütternd und zaubern dabei einige großartige Songperlen aus der Dunkelheit.
Anspieltipps: “Army Ants“, “All time low“ und “30 Silver Coins“
Note: 1,5
Trackliste:
1. Intro
2. Moribund Town
3. Army Ants
4. Nothing left
5. The day you walked
6. Dead End
7. Narcissus
8. Black Dress
9. All time low
10. Rattle the bones
11. Don’t let it bring you down
12. 30 Silver Coins
Bandmitglieder:
Sebastian Wolff – guitar, vocals
Christian Sindermann – vocals
Anders Trans – drums
Jan Laursen – guitar
John Laursen – bass, guitar
Claudio Suez – bass
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