
Guilty pleasureAufmerksame Verfolger der Boulevardpresse werden ein Lied vom kometenhaften Aufstieg und Beinahe-Fall der Britney Spears singen können. Gezielt auf den medialen Durchbruch getrimmt, kommt der Erfolg ihres Albums “…Baby One More Time“ (1999) dennoch einem Raketenstart gleich. Bis heute das erfolgreichste Debüt einer Sängerin. Die Jahre vergehen und aus dem vermeintlich braven Mädchen wird ein kleiner Pop Vamp. Das macht sie greifbar und menschlich, doch äußert sich ihr Ausbruch aus der heilen Welt in allzu negativen Schlagzeilen.Sie droht die Bodenhaftung zu verlieren und scheint nach der Scheidung von ihrem Ex-Schnorrer Kevin Federline und der vorübergehenden Sorge ihres Vaters gebrochen. Aus Spott wird Hohn, aus Hohn wird Mitleid. Dabei verstehen es die Produzenten immer das bestmögliche aus dem Popsternchen zu destillieren und schaffen selbst mit dem weniger beachteten “Blackout“ (2007) ein Electro Pop Album auf Augenhöhe mit der Zeit. “Circus“ in vielerlei Hinsicht die Befreiung. Mit der Single “Womanizer“ endlich wieder ein Nummer 1 Hit in den USA, während die Welt beginnt wieder beginnt die Künstlerin in ihr zu sehen.
Nicht ganz 2 1/2 Jahre später tritt sie den Versuch an die gewürdigte Leistung zu bestätigen. Und es gelingt ihr erneut. “Femme Fatale“ ist das funktionierende Dance Pop Album, das Christina Aguilera mit ihrem letzten Output verwehrt blieb. Sexy, aber nicht billig. Catchy, aber keinesfalls auf Nummer sicher. Die ausführenden Erfolgsproduzenten Dr. Luke (Adam Lambert, Ke$ha) und Max Martin (Pink, Backstreet Boys) haben der 29-jährigen ein frisches Kostüm geschneidert – behängt mit Elektropailletten, Beatmustern und Synthieperlen. Den charmanten Radiopop der Anfänge hat man in den Hintergrund gestellt und dafür angesagte Musikrichtungen wie House und Dubstep eingebaut. Dabei weiterhin mit einem einnehmenden Popappeal ausgestattet und der gewissen Portion Ohrwurmgarantie. Britney pur gibt es jedoch nur noch selten. Sie ist ohnehin nicht die begnadetste Sängerin. Es wird gefiltert, verzerrt und mit Auto Tune Effekten gearbeitet. Die Lyrics entsprechend einfach gehalten. Die beiden Singles “Till the world ends“ und “Hold it against me“ dabei nicht mal unbedingt die stärksten Songs auf dem Album. “Inside out“ verschleppt geschickt das Tempo – etwas gefühlvoller, aber dabei anmutig und tanzbar. “I wanna go“ tänzelt auf dem schmalen Grat zwischen Kinderzimmerpop und Tanzflächenhymne. Dem Autor der Rezension gefällt’s. Der Popeuphorie folgt das von Seifenblasenplatzern geführte “How I roll“. Der ausleiernde Stimmeffekt und die männliche Begleitung im Refrain sorgen für Abwechslung in einem ohnehin vielseitigen Album. Hervorzuheben vielleicht noch die Zusammenarbeit mit will.i.am (Big fat bass), welche die Boxen ordentlich zum Vibrieren bringt und an die “The Beginning“ Linie erinnert – nur diesmal in gut. Zudem ist mit “Don’t keep me waiting“ eine Rock angehauchte Nummer auf der Deluxe Edition, bei der sie von “Blink 182“ Drummer Travis Barker unterstützt wird. Ein Partyalbum, das Spaß macht und fast sämtliche Chart/Clubregister zieht.
Anspieltipps: “I wanna go“, “(Drop dead) Beautiful” und “Big Fat Bass“
Note: 1,9
Trackliste:
1. Till the world ends
2. Hold it against me
3. Inside out
4. I wanna go
5. How I roll
6. (Drop dead) Beautiful (feat. Sabi)
7. Seal it with a kiss
8. Big Fat Bass (feat. will.i.am)
9. Trouble for me
10. Trip to your heart
11. Gasoline
12. Criminal
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