Alte Heroen auf traditionellem Terrain

Nitzer Ebb beehren die Batschkapp zum 30. Geburtstag

03.11.2006

Konzert-Review

Frankfurt, Batschkapp, 1. November 2006

Zum 30-jährigen Bestehen der Batschkapp besuchen diese Tage eine Schar namhafter Künstler den traditionellen Frankfurter Liveclub. Am vergangenen Mittwoch füllten die EBM-Pioniere von Nitzer Ebb die überschaubare Halle bis in die letzte Reihe, so dass sie fast aus allen Nähten platzte.

Nitzer Ebb, bestehend aus Douglas McCarthy und Bon Harris, haben noch die gleiche Sprengkraft in ihrer Darbietung wie zu ihren Anfangszeiten vor knapp 20 Jahren. Unter tosendem Beifall boten die beiden einen Querschnitt ihrer Karriere und gaben sämtliche Hits zum Besten. Es gab ein Wiederhören mit dem brachialen Sound von „Godhead”, „Lightning Man” oder „Getting Closer”. McCarthy versprühte jugendlichen, frischen Elan auf der Bühne und riss das Publikum ausnahmslos mit. Wild tanzend und durch euphorische Schreie huldigend, bedankten sich die Fans für ein außergewöhnliches Konzert. Die Tour ist ein schönes Geschenk für alle Freunde der minimalistischen Elektromusik und eine gute Gelegenheit für die Nachfolgegeneration, in EBM (Electronic Body Music) einzusteigen und die Genialität dieser Musik zu erfahren. Diese Retrospektive ist längst überfällig, denn die gegenwärtigen House- und Dancefloor-Klänge in den hiesigen Clubs sind ausgelutscht und Elektro-Veranstaltungen verkommen immer häufiger zur massentauglichen Billigware.Electronic Body Music muss man erleben, denn jede Beschreibung verharmlost die unterschwellige Energie, die freigesetzt wird, wenn McCarthy zu den monotonen und sehr minimalen Beats und Zerrgeräuschen aggressiv seine Schlagworte ins Mikro schreit. Nitzer Ebb sind die Könige des EBM und können nach zwei Dekaden Bandgeschichte berechtigt auf dem Elektro-Thron Platz nehmen.

Was bisher geschah…

Anfang der 80er formierten sich im englischen Chelmsford die beiden 15-jährigen Teenager Douglas McCarthy und Bon Harris zu der EBM-Band Nitzer Ebb.Doch zu diesem Zeitpunkt gab es noch gar keine Musik unter dem Aushängeschild „EBM” (Electric Body Music). Kraftwerk legten in den späten 70ern richtig los und verzauberten die Welt mit ihren minimalistischen, aber unglaublich schönen Elektro-Kompositionen und erschufen ein komplett neues Feld der Musik. Doch dies reichte McCarthy und Harris nicht, sie wollten es tanzbarer und vor allem aggressiver. Neben anderen aufstrebenden Künstlern in Sachen Elektronik, wie den legendären Synthie-Ikonen Depeche Mode oder der belgischen Formation Front 242, schufen Nitzer Ebb parallel mit Front ein neues Genre.Leider ist EBM längst in Vergessenheit geraten. So wie der schnelle Aufschwung Mitte der 80er die Tanzflächen der Clubs füllte und die Leute zum Ausflippen brachte, verebbte der Hype auch ganz schnell wieder, als Anfang des nächsten Jahrzehnts die Techno- und Rave-Bewegung EBM einfach wegwischte. Zwar kam 1992 das beste Nitzer Ebb-Album namens „Ebbhead” auf den Markt, doch der große Durchbruch von EBM blieb bedauerlicherweise aus.Nun sind Nitzer Ebb zurück. Erst mal mit einer Best Of mit dem passenden Titel „Body Of Work 1984 – 1997″, bevor nach einer kleinen Aufwärmtour im Herbst ein neues Studioalbum folgen wird.

Nitzer Ebb im Web:www.nitzer-ebb.de/www.mute.deDiskographie:That Total Age (1987)So Bright So Strong (1988)Belief (1989)Showtime (1990)Ebbhead (1992)Big Hit (1995)Body Of Work 1984 – 1997 (2006)Body Of Rework Remixes (2006)Rock-Hobbit Dances Naked

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