Apoptygma Berzerk – Rocket science

Erscheinungsdatum: 23. Januar 2009 / Label: Gun Records (Sony BMG)

22.01.2009

CD-Review

Spaceman

Es gab eine Zeit, in der der Name “Apoptygma Berzerk” eng mit der EBM/Industrial Szene verbunden war. Durch Remixe für Bands wie “Front 242″, “VNV Nation” oder “Project Pitchwork”, sowie Coverversionen von Künstlern wie “Kim Wilde”, “The Cure” und “Kraftwerk” hat sich der Kopf hinter “Apop” Stephan Groth bereits selbst von diesen Genreschranken befreit. Future/Synthie Pop im erweiterten Sinne, wobei zuletzt immer mehr Räume für Gitarren und klassische Rockelemente frei gemacht wurden. Das letzte, reguläre Album liegt ganze 4 Jahre zurück. Dazwischen lediglich alte Werke remastered und die Cover/B-Seitensammlung “Sonic diary”. Doch bereits sein 2002 veröffentlichter Langspieler “Harmonizer” spaltete die Fangemeinde. Die kantigen Elektroklänge wurden mehr und mehr durch kommerzielle Songstrukturen aufgeweicht, was die Szene empörte, aber dem Mainstream die Tür öffnete.

“Rocket science” zeichnet diese Entwicklung weiter nach. Beinah konturlos fliegen die ersten Songs am Hörer vorbei. Da hilft auch kein “I feel love” (Donna Summer), das im Opener “Weight of the world” versponnen wird. Trance, Pop und Rock bleiben die Säulen seiner Musik. Die erste Single “Apollo (Live on your TV)” dabei schon vergleichsweise berechenbar auf Erfolg getrimmt. Der gebürtige Däne ist handzahm geworden, wenn auch inhaltlich durchaus gesellschafts- und sozialkritisch. Kaum zu Glauben, daß sich dieser einst im Vorprogramm von den “Krupps” wieder fand. “Green queen” kracht und ächzt dann zum ersten Mal durch’s Gebälk. Die lebhaften Alternative/Indie Rock Gitarren verhelfen zum Profil. Der Gesang von Groth bleibt typisch “Apoptygma Berzerk”. Hell legt sich seine Stimme über die Songs – begleitet von einem schwebend-schillernden Synthie-Sound. “State of your heart” und “Pitch black/Heat death” wandeln auf ähnlichen Pfaden. Letzterer kann sogar mit einem Gastauftritt von “Amanda Palmer” (Dresden Dolls) glänzen – absolutes Highlight. Man vermisst ein wenig das Ungestüme vergangener Tage, doch wer mag es einem Musiker nach fast 20 Jahren verdenken, daß er etwas ruhiger wird. Future Pop Bombast überwiegt, leider nicht immer mit gewünschtem Erfolg, doch mit genug Treibstoff versehen – nicht zuletzt durch das gelungene, letzte Drittel -, um die Rakete in die Lüfte zu heben.

Anspieltipps: “Green queen”, “Pitchblack/heat death” und “Black versus white”

Note: 2,9

Trackliste:

1. Weight of the world

2. Apollo (Live on your TV)

3. Asleep or awake?

4. Incompatible

5. United States of Credit

6. Shadow

7. Green queen

8. Butterfly defect

9.State of your heart (Sh*t end of the deal)

10. Rocket calculator

11. Right

12. Pitchblack / Heat death

13. Black versus white

14. Trash

Bandmitglieder:

Stephan Groth

Geir Bratland

Angel

Fredrik Brarud

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