Ja, Panik Interview

14.06.2008

Interview

Hallo nach Österreich! Mein Name ist Jens und ich schreibe für ein Online Magazin namens acoustic shock. Euer neues Album – “The taste and the money” – wurde erst kürzlich auf unserer Seite besprochen und wir schätzen die Möglichkeit nun auch auf diesem Weg noch ein wenig mehr von “Ja, Panik” erfahren zu können. Bevor wir auf Beweggründe, Absichten oder Pläne für die Zukunft sprechen zu kommen, wäre es schön, wenn Ihr Euch kurz selbst vorstellen könntet. (Musikalische Anfänge, Werdegang, usw.)

Bisher war es mit Musikexporten “Made in Austria” doch eher spärlich gesät. Lassen wir mal Bands und Künstler wie die “EAV”, “DJ Ötzi” oder “Christina Stürmer” außen vor. Wie seht ihr die (Indie) Szene in Österreich und wieviel Potential steckt eigentlich noch in ihr?

Wir denken in Wien haben sich in letzter zeit ganz gut Strukturen für junge Musiker gebildet, die es vor kurzen so noch nicht gab. Es werden immer mehr Platten veröffentlicht, immer öfter auch im benachbarten Ausland, meist Deutschland und der Schweiz. Für seine Größe hat Wien erstaunlich viele kleine Labels, meist ein oder zwei Mann/Frau Unternehmen. Finanziell steht man zwar oft an der Kippe, aber es passiert was. Und man hat das Gefühl, dass die Stimmung passt. Es ist alles vorhanden was eine lebendige Szene benötigt, inklusive gesundem Selbstbewusstsein. Auch gibt es mittlerweile Möglichkeiten ohne allzu großen bürokratischen Aufwand an Fördergelder zu gelangen, sowohl für Labels als auch für Musiker. Die Summen die dafür bereitgestellt werden sind zwar im Vergleich zu dem, was der liebe Staat in seine “höheren Künste”, in die Erhaltung, Restaurierung und Lobpreisung der Kulturnation Österreich steckt eine Verarsche, aber man kann es mal als einen Anfang sehen

Welche Rolle spielen Medien wie Radio, Internet und Fernsehen?

Einen wichtigen Beitrag zu oben genannten haben Medien wie zum Beispiel Fm4 und Gotv beigetragen, die ganz selbstverständlich heimische Musik neben internationaler spielen. Außerdem sind das ja nicht irgendwelche kleinen regionalen Medien, sondern werden im ganzen Land ausgestrahlt und auch breit rezipiert. Natürlich bleibt die Auswahl nicht immer eine glückliche. Wie auch alles hier genannte sich nicht direkt zur Qualität der Arbeiten verhält.

Ich gehe mal davon aus, dass ihr den Status “Berufsmusiker” noch nicht erreicht habt? Was macht ihr neben der Musik und was ist für Euch die Hauptantriebskraft in dieser Band zu spielen?

Nein, den haben wir definitiv noch nicht erreicht. Teile von uns studieren, ein kleiner Teil arbeitet, ein anderer Teil macht nix und wurschtelt sich mit verschiedensten Projekten irgendwie durch. Antriebskraft..? Hm… Naja, wir machen das schon so lang, ich glaub wir könnten uns das gar nicht mehr wegdenken aus unserem Leben….

Nein, es hat schon mit Leidenschaft zu tun. Hauptsächlich sogar.

Ich hab der Kritik zu Euerm Album die Überschrift “Gezähmt und widerspenstig” gegeben. Wie würdest Ihr es mit wenigen Schlagworten charakterisieren?

Es ist definitiv eine wütende Platte. Aber sie ist auch sehr durchdacht, und gerade in dem Maß hysterisch und vollkommen übertrieben, dass man sie nicht verkopft nennen kann.

Beschreibt bitte kurz den Schreibprozess zu “The taste and the money”? Welche Künstler, Personen oder Musikrichtungen haben Euch dabei inspiriert und hat sich jedes Bandmitglied voll mit einbringen können?

Grundsätzlich versuchen wir persönliche Erfahrungen, Erlebnisse und Probleme durch einen bewusst gestalteten Schaffensprozess, durch die Form und gewisse Brechungen, so zum Beispiel fremde Ideen, die wir uns einverleiben und umgestalten oder einfach plagiieren, in ein autonomes Werk umzuformen. Es soll sich einfach niemand verleiten lassen zu glauben den bizarren Lebensweg von ein paar Wahnsinnigen durch das Hören unserer Platten nach verfolgen zu können. Und das ist gut so. Musikalisch konnte und musste sich auf jeden Fall jedes Mitglied voll mit einbringen, die Texte stammen jedoch schon ausschließlich von Andreas. Natürlich hat aber auch hier jeder ein Mitspracherecht.

Wir teilen eine Vorliebe für große Ästheten und Formzertrümmerer und wollen hier keine Namen nennen.

Wie kam es zu dem Lou Reed Cover?

Ach, da steckt jetzt nichts Großartiges dahinter. Wir hatten einfach den Wunsch ein Coverstück einzuspielen, das sich wenn möglich in das Konzept der Platte auch noch ganz gut einfügen lässt. Wir mögen die unaufdringliche Weise wie dieses Lied ein ganz klares Liebeslied ist und finden es passt ganz gut zu unserer Art solche Themen anzugehen.

Aus der Biografie geht ein gewisses ambivalentes Verhältnis zu Wien hervor – worin liegt dies begründet?

So ambivalent ist das doch gar nicht. Wir würden uns auch nicht unbedingt als Wiener beschreiben, sind wir alle doch erst vor 4, 5 Jahren vom Land hierher gezogen, als die typischen Wiener können wir also nicht gelten. Wir haben zu Wien ein ziemlich neutrales Verhältnis, die Stadt kommt auf unserer Platte ja eher gezwungenermaßen vor, als der Platz an dem ihre Geschichten spielen und zwar nicht weil sie da spielen müssen, sondern weil sie eben hier spielen. Es hat sich halt so ergeben könnte man sagen.

Im letzten Jahr veröffentlichten “Jonas Goldbaum” ihr Album (über Roadrunner Records) in Deutschland? Kennt ihr die Band und stellt ihr etwas wie die Vorhut einer aufkommenden Indiewelle aus Österreich dar?

Ehrlich gesagt haben wir mit Jonas Goldbaum gar nichts am Hut. Wir wollen auch nicht in einer Reihe mit ihnen genannt werden.

Fußball muß notgedrungen ein Thema sein. Wie habt ihr die WM in Deutschland erlebt? Seid ihr Fußballfans und wie schätzt ihr die sportlichen Chancen Eurer Mannschaft ein?

Die WM in Deutschland haben wir sogar in Berlin erlebt, das war schon mitunter ganz lustig, aber nein, wir sind keine Fußballfans, werden uns aber wohl wieder ein paar Spiele ansehen. Da kommt man ja auch gar nicht drum rum. Chancen für Österreich sehen wir eigentlich gar keine.

Sind für dieses Jahr auch Touraktivitäten in Deutschland geplant?

Ja, auf jeden Fall. Jetzt im Frühling gibt’s mal vereinzelt Konzerte, im Oktober dann eine ausführliche Tour.

Und zum Schluß noch die Möglichkeit einen speziellen Gruß an unsere Leser zu richten. Was haben wir noch von “Ja, Panik” zu erwarten und die Moral von der Geschicht….

Was ihr von uns noch zu erwarten habt? Wenn wir das wüssten……

Danke für das Interview und viel Erfolg für Euer Album!

Auch wir bedanken uns herzlichst!

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